Durch die Reform der gymnasialen Oberstufe im Jahre 2004 ergibt sich auch hinsichtlich der Facharbeit eine grundlegend geänderte Situation. Je nach Organisation der Oberstufe kann es an manchen niedersächsischen Gymnasien dazu kommen, dass die Facharbeit nicht einmal an ein bestimmtes Fach gekoppelt ist. Da es dennoch Schulen geben wird, die im Rahmen eines musisch-künstlerischen Profils Facharbeiten schreiben lassen, halte ich die nachfolgenden Ausführungen nach wie vor für hilfreich, auch wenn sie aus dem Jahre 2003 stammen.

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Teilergebnis einer Facharbeit 2003

siehe hierzu auch: Tipps zur Anfertigung der Facharbeit im Fach Kunst und Facharbeitsthemen 2003.

Das Besondere an der Facharbeit in Kunst liegt darin, dass sowohl rein schriftlich-theoretische Arbeiten als auch Arbeiten mit praktischen Anteilen erstellt werden können. Ich stelle hier die drei möglichen Aufgabentypen vor, außerdem wird ein Facharbeitsthema exemplarisch vorgestellt. Diese Informationen sind vor allem für Schüler/innen gedacht, die  vor der Überlegung stehen, Kunst als Schwerpunktfach oder Seminarfach zu wählen (wofür ich gar nicht genügend Werbung machen kann), und für jene, die eine Facharbeit schreiben.

Ein Beispiel aus dem Leistungskurs 2001

In diesem Beispiel lautete das Kursthema 'Das Bild des Menschen'. Im Kurs wurden Bilder behandelt (und auch selbst hergestellt), die dem aufmerksamen Betrachter alles bieten: Schönheitsideale, Menschen im Alltag, Leidenschaften, erhabene Gefühle, Mimik & Gestik, Aufwühlendes, Sanftes, Männer & Frauen, Junge, Alte, Dicke, Dünne, ... Der Blick richtete sich dabei besonders auf 'Handgreifliches': Bilder aus Marmor und Bronze, aus Wachs, Lehm, Federn, Gips, Holz, ..., auf Bilder also, die man anfassen könnte, wenn man dürfte. Aber auch gemalte, fotografierte, gefilmte Bilder vom Menschen hätten Unterrichtsgegenstand sein können.

Wie sieht nun eine Facharbeit in so einem Kurs aus?

Es folgt ein - zugegebener Maßen ziemlich exotisches - Thema [aber die Schülerin hatte in Vorgesprächen angedeutet, dass sie Schlafende faszinierend findet, deswegen war das Thema auch nicht unfair].

 

“Der Schlaf” als Bildthema der Kunst

Setzen Sie sich ausgehend von Renoirs Gemälde 'Die Schläferin, 1897' mit dem gegebenen Thema auseinander. Sie können Ihre Untersuchung auf weitere, selbst zu wählende Beispiele ausdehnen und auch anhand selbst zu erstellender Bilder durchführen.

Viel Glück!

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Hier folgen jetzt die Erläuterungen, was man aus so einer Aufgabe machen kann:

Typ 1: Die schriftlich-theoretische Facharbeit

Es ist gleichgültig, ob man diese Aufgabe mit eigenen, praktischen Anteilen versehen will oder nicht: In jedem Fall ist eine Analyse des gegebenen Bildes von Renoir zu leisten. Aber Vorsicht! Das Thema lautet nicht: Analysiere Renoirs Bild. Es geht vielmehr darum, herauszubekommen, in  welchen Zusammenhängen und warum der Schlaf in Bildern dargestellt wird. Also könnte eine rein schriftliche Arbeit sich um folgende weitere Fragen drehen: Was ist eigentlich der Schlaf,  welche Schlafphasen gibt es, wie verhalten sich Menschen beim Schlafen, was bedeutet es, Schlafende abzubilden, in welchen Bildtypen treten Schlafende auf, gibt es Allegorien vom Schlaf,  ...? Ein nicht enden wollender Berg von Fragen, und jede ist eine Chance, diese Facharbeitsaufgabe mit Bravour zu bestehen.

Ach ja, das Formale: maximal 15 Seiten, maschinengeschrieben, dazu kommen noch das Deckblatt, das Literaturverzeichnis und der Anhang mit Abbildungen der untersuchten Bilder.

Typ 2: Die kombinierte Arbeit mit schriftlichem Schwerpunkt

Angenommen, du bist im Verlauf deiner Untersuchungen soweit gekommen, dass du die  verschiedenen Schlafphasen kennst, und du hast entdeckt, dass die Frau in Renoirs Bild nur schlummert. Wie macht Renoir das? Ist es die Mimik der Frau, oder ist es doch die  Körperhaltung? Und wie sähe sie aus, wenn sie im Tiefschlaf wäre? Das will genauer untersucht sein, also richtet sich dein Facharbeitsschwerpunkt mit einem Mal auf die Mimik und Gestik von  Schlafenden. Hierzu skizzierst, zeichnest, malst oder fotografierst du Schlafende in verschiedenen Traumphasen und arbeitest anhand deiner Bilder heraus, wie sich die Schlafphasen darstellen  lassen. Oder du veränderst mit Computer und Bildbearbeitungsprogramm das Bild von Renoir, so dass die Frau mit Mal nicht mehr schlummert, sondern tief schläft.

Und die formalen Anforderungen? In diesem Aufgabentyp sollte der praktische Anteil etwa ein  Drittel der Gesamtarbeit ausmachen, also ca. 10 Seiten schriftlich und ein entsprechender Anteil an eigenen Bildern oder Skizzen.

Typ 3: Die kombinierte Arbeit mit praktischem Schwerpunkt

Zuviel Theorie bisher? Du willst selber kreativ tätig sein? Auch das geht. Maskenbau,  Specksteinarbeiten, Zeichnungen, Ölmalerei, ... es gibt eigentlich keine künstlerische Technik, in der man nicht zum Thema 'Schlaf' arbeiten könnte.

Bei diesem Aufgabentyp nimmt die praktische Arbeit ca. 2/3 der gesamten Arbeit ein, d. h., dir  bleiben nur noch ca. 5 Seiten zur Einführung inklusive Kurzanalyse von Renoirs Bild und zur Erläuterung deiner Arbeit.